No Blame Approach

Dieser anschauliche Kurzfilm zur Erklärung des No Blame Approach wurde von unserem Partner, der Akademie für Lerncoaching in Zürich, erstellt.

Um den Lesefluss zu vereinfachen wird nur eine Form verwendet. Gemeint sind jedoch immer beide Geschlechter.

 

Der «No Blame Approach»

Tagesfortbildung für Lehrpersonen, SchulleiterInnen, SchulsozialarbeiterInnen, Schulpsychologen/-psychologinnen und andere pädagogische Fachkräfte in der Schule (und Jugendarbeit)

«to blame» ist ein englisches Verb und heisst «beschuldigen». Wie der Name aussagt, ist der «No Blame Approach» eine Prozessintervention ohne Schuldzuweisung. Es ist ein Instrument, um Mobbing schnell und dauerhaft zu stoppen.

Hauptmerkmal des «No Blame Approach»

Hauptmerkmal des No Blame Approach ist, dass von Sanktionen und Schuldzuweisungen abgesehen wird, sondern auf die Ressourcen der beteiligten Schüler gesetzt wird. Diese werden in einen Gruppenprozess einbezogen der darauf abzielt, die Mobbing-Situation in kurzer Zeit – in der Regel innert 14 Tagen – zu beenden. Die Erfolgsquote bei Anwendung des «No Blame Approach» liegt bei über 85%.

 

Schwerpunkte / Ablauf der Tagesfortbildung:

  • Einführung und Allgemeines zum Thema Mobbing
  • Erarbeitung einer gemeinsamen Haltung gegenüber Mobbing
  • Mobbing erkennen: Handlungen, Signale, Definition
  • Vorstellung der «Drei Schritte des No Blame Approach»
  • Training: Gesprächsführung mit der Unterstützungsgruppe
  • Wie weiter nach der Intervention?
  • Rahmenbedingungen zum Umgang mit Mobbing an der Schule

Direkte Aussage einer Schulleitung

«Es ist bedeutend einfacher, bei Mobbing wegzuschauen… wenn ich jedoch als Schulleiter resp. Lehrperson meine Verantwortung nicht wahrnehme – wer sonst tut es dann? Diese Gedanken haben mich veranlasst, Ihre Fortbildung zum «No Blame Approach» zu buchen. Die Rückmeldungen des Kollegiums waren durchwegs sehr positiv – endlich haben wir ein konkretes, eins zu eins anwendbares Interventionswerkzeug zu unserer Verfügung, das wir bei Mobbing-Fällen sofort und effizient anwenden können. Das gesamte Kollegium vertritt nun eine einheitliche Haltung und setzt klare Grenzen.»

Die 3 Schritte des «No Blame Approach»

Die klar strukturierte Methode des No Blame Approach erfolgt in einem Zeitraum von 8 – 14 Tagen. So wird schnell sichtbar, ob die Anwendung erfolgreich war oder ob es allenfalls noch weitere Massnahmen braucht.

1

Gespräch mit dem Mobbing-Betroffenen

Mit diesem Gespräch gewinnen wir das Vertrauen des von Mobbing betroffenen Schülers. Wir erklären, was wir vorhaben und vermitteln Sicherheit und Zuversicht, dass die Mobbing-Situation gestoppt werden kann.

2

Gespräch mit der Unterstützungs-
gruppe

Die Bildung der Unterstützungsgruppe bildet das Kernstück des No Blame Approach. Sie besteht aus den Haupt-Akteuren, den Mitläufern sowie «neutralen» Schülern. Ziel dieser Helfergruppe ist es, eine konstruktive, lösungsorientierte Rolle einzunehmen, um das Mobbing zu unterbinden.

3

Nachgespräch

Nach 8 – 14 Tagen nach dem 2. Schritt werden die Nachgespräche geführt um zu sehen, wie sich die Situation entwickelt hat. Diese erfolgen mit jedem einzeln, um die Schüler direkt in die Verantwortung zu nehmen. Dieser Schritt sorgt für Verbindlichkeit und stärkt die Nachhaltigkeit.

Seminar an Ihrer Schule

Wie wir obengenannter Rückmeldung entnehmen können, veranlasst oftmals die eigene, klare Haltung zur Durchführung der «No Blame Approach-Weiterbildung» an Ihrer Schule. Die Schule nimmt ihre soziale Verantwortung wahr und befähigt die Lehrpersonen, Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen zur erfolgreichen Durchführung des No Blame Approach.

 

Kosten

  • Kostenübernahme (für öffentl. Volksschulen) durch die Erziehungsdirektion gewährleistet.
  • Kosten (für Schulen/Institutionen) auf Anfrage.
  • Kosten für individuelle Teilnahme an der Tagesfortbildung in Schönbühl oder Rothenburg, 10.00 – 16.30 Uhr: CHF 295.— inkl. Seminarmaterial mit max. 10 Teilnehmern / Gruppe. Die Kosten für die Weiterbildung werden von der Erziehungsdirektion zurückerstattet.

Kontaktieren Sie uns

Kontaktieren Sie uns, um sich über die Durchführung der Tagesfortbildung zum «No Blame Approach» an Ihrer Schule oder bei uns in Schönbühl oder Rothenburg näher zu informieren und persönlich beraten zu lassen.

Entstehung und Entwicklung

Der No Blame Approach hat seinen Ursprung in England. Anfangs der 90er Jahre wurde dieser lösungsorientierte Ansatz von George Robinson (Pädagoge und Schulleiter) und Barbara Maines (Schulpsychologin) entwickelt.

In Deutschland vermitteln Detlef Beck und Heike Blum von fairaend den No Blame Approach seit 2003 erfolgreich an pädagogische Fachpersonen. Dank einer Förderungsaktion ist es ihnen gelungen, den No Blame Approach über alle Bundesländer hinweg bekanntzumachen und erfolgreich zu etablieren. Über 20 000 Lehrpersonen, Schulpsychologen, Schulsozialarbeiter, Mitarbeiter der Kinder- und Jugendarbeit sowie der Gewaltprävention wurden seitdem in den No Blame Approach – Seminaren geschult.

In Österreich ist das Team Präsent im Jahr 2006 eine Partnerschaft mit fairaend eingegangen und vermittelt seither den No Blame Approach an Pädagogen in Österreich.

Auch in den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Australien wird der No Blame Approach erfolgreich eingesetzt, um Mobbing nachhaltig und zeitnah zu stoppen.

Schweiz

Während ihrer Ausbildung zum Lerncoach (2015 – 2017) kam Bettina Dénervaud erstmals mit dem No Blame Approach in Kontakt, der von Detlef Beck selbst gelehrt wurde.

«Mich hat von Anfang an fasziniert, dass dieser Interventionsansatz im Prinzip sehr einfach anzuwenden ist und fast 90% der Mobbingfälle innert 2 Wochen erfolgreich und nachhaltig gestoppt werden können.

Ich fragte mich, weshalb der No Blame Approach in Deutschland und mittlerweile auch Oesterreich flächendeckend bekannt ist und sich über die Jahre hinweg über alle Bundesländer und Schulformen ausgebreitet hat, in der Schweiz jedoch nur wenig verbreitet ist. Dies gab mir den Anstoss, mich näher damit zu beschäftigen und weiterzubilden. Gut 2 Jahre lang trug ich den Gedanken in mir, etwas Vergleichbares in der Schweiz aufzubauen.

Die Suche nach einem passenden Projektpartner erwies sich als nicht einfach, da Mobbing für viele ein schwieriges, komplexes Thema ist, womit sich keiner «die Finger verbrennen will». Und ein Projektaufbau ist zudem mit viel Arbeit verbunden, wozu man viel Idealismus und Herzblut mitbringen muss und die Bereitschaft, den ganzen Aufbau auch finanziell selber zu tragen. (Fördergelder zu kriegen, wie es z.B. beim Projetkaufbau in Deutschland der Fall gewesen war, ist in der Schweiz wesentlich schwieriger. 1 Jahr lang habe ich damit verbracht, mich auf kantonaler und Bundesebene um Projektgelder zu bemühen, was sich als aussichtslos erwiesen hat.)

 

 

Schlussendlich sagte ich mir:

Wenn ich diese Fachstelle nicht eigenständig aufbaue, wer tut es dann? Und wenn nicht jetzt, wenn dann?

Während dieser Zeit las und hörte ich immer wieder von Mobbing-Fällen, die teilweise dramatisch endeten. Und in fast allen Fällen fiel mir auf, dass sich die involvierten Parteien (Schule, Familie, sonstige Bezugspersonen und natürlich insbesondere der Mobbing-Betroffene) überfordert und hilflos fühlten. Diese Machtlosigkeit ist bei jedem einzelnen Fall sehr gut spürbar; das Gefühl oder auch tatsächlich die Aussage «da kann man eh nichts tun». Oder noch schlimmer: «Der Betroffene trägt womöglich doch ein wenig Mitschuld an seiner Misere…». Generell kann man wohl sagen, dass Wegschauen einfacher als Hinschauen ist. Ich aber wollte nicht mehr Wegschauen, sondern endlich Handeln. Und der Bedarf ist ganz klar da: im Laufe seiner Schulzeit wird laut Studien mindestens jedes 7. Schulkind Opfer von Mobbing.

Der Entschluss, etwas zu verändern

Als ich somit den festen Entschluss gefasst hatte, das Projekt wenn nötig auch alleine zu stemmen, ergab sich der Kontakt mit meinem jetzigen Projektpartner Pascal Kamber. Er war im Elternrat der Schule seiner Töchter Initiant einer Arbeitsgruppe zum Thema Mobbing und kam dadurch auf mich zu. Ich merkte bald, dass er sich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt hatte und es ihm wahrhaftig ein Anliegen ist, etwas bewegen und verändern zu wollen, zum Wohle der von Mobbing betroffenen Kindern und Jugendlichen.»

Pascal Kamber: «Ich finde, jedes Kind soll die Möglichkeit haben, ohne Angst und psychischen Stress, was Mobbing/Cybermobbing zwangsläufig mit sich bringt, durch die Schulzeit zu kommen. Die Schulzeit ist ein sehr prägender Abschnitt in der Entwicklung eines Kindes oder Jugendlichen. Nicht selten tragen Menschen die erlittenen Peinigungen und Demütigungen bis ins Erwachsenenalter weiter mit sich.»

Der Start

Der Start zum Aufbau unserer Fachstelle «Hilfe bei Mobbing» für Schulen und Eltern erfolgte im September 2019. Seitdem hat sich viel getan, und wir stehen nach wie vor im Entwicklungsprozess, weil uns durch unsere Arbeit an den Schulen und mit Mobbing-Betroffenen immer wieder neue Ideen «zufliegen», was noch alles getan und optimiert werden kann. So werden beispielsweise die telefonischen Beratungen rege genutzt und wertgeschätzt. Die involvierten Personen, seien es nun Eltern oder Lehrpersonen, machen so einen ersten Schritt aus ihrer Machtlosigkeit heraus, holen sich unseren fachlichen Rat und unsere neutrale Einschätzung. Und vielleicht das Wichtigste daran: Sie werden angehört und ernst genommen und fühlen sich meist nicht mehr ganz so alleine gelassen. Aus dieser oft neuen Perspektive können die nächsten sinnvollen Schritte geplant werden, die zur Auflösung der Mobbingsituation beitragen.

Ähnliches gibt es über die Direktintervention, die fachliche Begleitung  vor Ort, zu berichten. Jedes Mobbing/Cybermobbing verläuft zwar anders, und doch sind die Entstehungsbedingungen immer ähnlich. Das Machtungleichgewicht und die zunehmende Eigendynamik der Mobbing-Situation hat zur Folge, dass der Mobbing-Betroffene kaum eine Chance hat, aus eigener Kraft aus der Mobbingspirale aussteigen zu können. Weil die gesamte Klasse bewusst oder unbewusst am Mobbing beteiligt ist, wird die Auflösung der Mobbingsituation oft nur durch die Intervention einer Fachperson möglich. Uns fasziniert immer wieder, welche Wirkung der No Blame Approach erzielt – trotz schwerwiegender Problematik wird von Bestrafungen und Schuldzuweisungen abgesehen. Wenn man auf die Ressourcen der Schüler setzt, ihnen Vertrauen schenkt und ihnen zutraut, Mobbing stoppen zu können, kommen oft ungeahnte prosoziale und kooperative Kompetenzen zum Vorschein.

Zentrale Ergebnisse der Evaluation aus Deutschland

 

 

                  Mit freundlicher Genehmigung von unserem Partner fairaend          

In den Jahren 2007/2008 wurde mit finanzieller Unterstützung der Aktion Mensch eine Evaluation zur „Anwendung des No Blame Approach in der schulischen Praxis“ durchgeführt.

Datenbasis waren 220 Mobbing-Fälle, die mit dem No Blame Approach bearbeitet wurden. Die Daten wurden mittels Interviews und Fragebögen erhoben.

Im Folgenden sind einige der wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst:

 

Wirksamkeit des No Blame Approach

In 192 Fällen (87,3 %) konnte Mobbing erfolgreich gestoppt werden. In ungefähr der Hälfte der Fälle handelte es sich bereits um verfestigtes Mobbing. In sieben Fällen (3,2 %) wurde Mobbing zunächst gestoppt, trat aber nach einiger Zeit wieder auf. In fünf Fällen wurde das Mobbing zwar gestoppt, verlagerte sich aber auf ein anderes Kind.

Nachhaltigkeit der Intervention

Untersucht wurde die Nachhaltigkeit. Die Zeiträume der gesicherten Nachhaltigkeit betrugen im Rahmen der Evaluation zwischen vier Wochen und zwei Jahren.

Spektrum der Schulformen und Altersstufen

Der No Blame Approach wird in allen bekannten Schulformen von der Grundschule bis zum Gymnasium angewandt wie auch in Berufsschulen und Förderschulen. Das Altersspektrum lag zwischen 8 und 17 Jahren mit einer Häufung bei den 10 bis 14-jährigen Schülern.

Mitwirkung der Mobbing-Betroffenen

Nahezu alle Mobbing-Betroffenen waren mit der Anwendung des No Blame Approach einverstanden. Vier lehnten die Intervention ab. 85 % der Kinder waren sehr erleichtert über die Unterstützung seitens der Schule.

Mitwirkung der Mobbing-Akteure

Alle Schüler – auch die Mobbing-Akteure, die zur Unterstützungsgruppe eingeladen waren, waren mit Ernsthaftigkeit bereit zu helfen. Nur in 4 Fällen (1,8 %) weigerten sich einzelne Mobbing-Akteure mitzuwirken.

Impulsgeber für die Intervention

Den Klassenlehrerpersonen und den Schulsozialarbeitern kommt die größte Bedeutung beim Erkennen von Mobbing und bei der Anwendung des No Blame Approach zu. In 18 % der Fälle haben die Mobbing-Betroffenen selbst auf ihre Situation aufmerksam gemacht. In 20 % meldeten die Eltern die Mobbing-Situation.

Zufriedenheit mit dem Ansatz

96 % der Befragten waren mit der Methode des No Blame Approach sehr zufrieden (Skalenwerte von 8-10 auf einer 10 Punkte-Skala).

Den gesamten Evaluationsbericht können Sie unter diesem Link  unseres Partners aus Deutschland downloaden. 

Fachliche Begleitung

An Ihrer Schule gibt es eine akute Mobbing-Situation, und Sie möchten möglichst schnell intervenieren. Was aber, wenn keine Fachperson vor Ort ist, die den No Blame Approach kennt und sicher anwenden kann?
Holen Sie sich die notwendige fachliche Begleitung zur Direktintervention mit dem No Blame Approach bei uns.

 

Jemand aus unserem Team
  • kommt an Ihre Schule,
  • betrachtet und analysiert die aktuelle Situation,
  • erklärt Ihnen den No Blame Approach
  • und begleitet Sie auf Wunsch bei der Durchführung der Intervention.

Zeitlicher Bedarf

  • Beratung und Analyse: ca. 2-3 Stunden
  • Beratung und Analyse plus Begleitung bei der Intervention des No Blame Approach: ca. 5 Stunden

 

Voraussetzungen

Die beteiligten Lehrpersonen, insbesondere die Klassenlehrperson, muss in den Prozess einbezogen werden. Idealerweise ergänzt durch den Schulsozialarbeiter oder den Schulpsychologen.

Kontaktieren Sie uns

Kontaktieren Sie uns, um sich über die fachliche Begleitung einer akuten Mobbing-Situation an Ihrer Schule näher zu informieren und persönlich beraten zu lassen. Kosten auf Anfrage.

Vortrag für Schulen (Eltern & Lehrpersonen)

Unser 90-minütiger Vortrag richtet sich an Schulen und Elternräte.

Machen Sie es wie zahlreiche Schulen und setzen Sie mit einer klaren Anti-Mobbing-Haltung mit diesem Informationsanlass für Eltern ein klares Zeichen. Die Erfahrung zeigt, dass die Haltung der Schule im Umgang mit Mobbing für alle Eltern von grosser Wichtigkeit ist. Ihre Schule setzt damit ein mutiges und starkes Signal, zeigt ein hohes Mass an sozialer Verantwortung und stärkt das Vertrauen der Eltern in Ihre Institution. Am Vortrag wird auch auf allfällige Bedenken oder Unsicherheiten seitens der Eltern zum Thema Mobbing eingegangen.
Der Vortrag kann individuell oder in Kombination mit der Tagesfortbildung zum No Blame Approach gebucht werden.

Kurzbeschrieb des Vortrags

  • Was ist Mobbing (im Unterschied zu «normalen» Konflikten)?
  • Was sind Mobbing-Handlungen, Mobbing-Signale, Mobbing-Informationsquellen?
  • Wie erkenne ich die Gruppendynamik von Mobbing?
  • No Blame Approach: Vorgehensweise mit den 3 Schritten
  • Rahmenbedingungen zum Umgang mit Mobbing an Ihrer Schule

Kontaktieren Sie uns

Kontaktieren Sie uns, um sich über die Durchführung eines Vortrags zum Thema Mobbing / No Blame Approach an Ihrer Schule näher zu informieren und persönlich beraten zu lassen. Kosten auf Anfrage.

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